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So geht Auferstehung

Die Lesungen des heutigen Sonntags sind geprägt vom Zeugnis für den auferstandenen Jesus. Vom Zeugnis für die Auferstehung, vom Trost und von der Weisung Jesu, diese Botschaft bis an die Enden der Erde zu tragen und zu verkündigen. Eine Botschaft der Freiheit, der Gleichheit und der Brüderlichkeit, wie es die Französische Revolution infolge der Aufklärung nennt.

„Am Tag des Herrn wurde ich vom Geist ergriffen und hörte hinter mir eine Stimme, laut wie eine Posaune. Sie sprach: Schreib das, was du siehst, in ein Buch und schick es an die sieben Gemeinden in Kleinasien.“
So haben wir aus der Offenbarung des Johannes gehört. Und am Schluss des heutigen Textes heißt es, „Schreib auf, was du gesehen hast: was ist und was danach geschehen wird.“ Denn alle, die an ihn glauben, alle, die sich mit seiner Botschaft, mit seinem konsequenten Leben, mit seinem Leiden, mit seinem Tod und seiner Auferstehung beschäftigen, alle jene sind gesandt in ihrer Zeit, in ihrer Lebenssituation, diese Botschaft zu deuten und zu erzählen.

Und Zeugnis geben bedeutet nicht nur davon zu erzählen, theologische oder psychologische Deutungen vorzulegen, sondern es bedeutet auch, zu wirken im Namen Jesu. Wirken bedeutet, seine Botschaft und die Kraft Gottes spürbar und erfahrbar werden zu lassen. Durch die Macht der Selbstliebe; durch die Macht sich lieben zu lassen; durch die Macht der Vergebung; durch die Macht, durch den Zweifel hindurch meine Erfahrung mit Christus zu machen und durch die Macht des Dialogs ein gelingendes Miteinander zu gestalten und zu erfahren.

Wir hören heute eines der kraftvollsten Worte Jesu: „Friede sei mit euch!“ Jesus spricht es in eine konkrete Begegnung, in eine konkrete Situation, in eine konkrete Erfahrung hinein: „Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!“
Ein Wunsch, den ich bei fast jeder Krankensalbung mitbringe und je nach Situation auch laut wünsche. Ein Wunsch, den vielleicht manche von uns ankommenden Flüchtlingen, jetzt vor allem aus der Ukraine, zugesprochen oder innerlich gewünscht haben. Ein Wunsch, der in der immer noch andauernden Pandemie Menschen wieder Mut und Hoffnung geben kann. Ein Wunsch, der unsere aufgewühlten, verunsicherten und ängstlich gewordenen Seelen in diesen Zeiten des Krieges beruhigen und ihnen neue Sicherheit geben kann.

„Friede sei mit Euch!“ Wir sollen nicht in Verschlossenheit und Ängstlichkeit verharren, sondern wir sollen und dürfen uns trösten lassen, damit wir neuen Mut finden und wieder frei und zuversichtlich hinaus in unser Leben gehen können. Unsere Zeit buchstabiert die Auferstehung und die Botschaft Jesu unter anderem mit den Worten der Französischen Revolution, „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“, welche in der jetzigen Situation eines Krieges in Europa wieder auffallend oft rauf und runter dekliniert werden, um mit diesem Instrument und mit diesen Ideen einen Umgang und eine Handlungsoption mit dem zu finden, was sich gerade in der Ukraine – und somit in Europa – ereignet. Hier Antworten zu finden ist nicht leicht und fordert uns alle heraus. Jesus ist sensibel für die Empfindungen der Menschen, denen er begegnet, er nimmt Ängste wahr, er fährt nicht drüber, er wünscht Frieden, er sieht den Zweifel des Thomas, er tut ihn nicht ab, er lässt ihn eine Erfahrung machen, die ihm in seinem Zweifel hilft.

So geht Auferstehung. Sich mit dem Leben auseinandersetzen, damit neues Leben möglich wird. Damit sterben kann, was sterben muss, damit verwandelt werden kann, was verwandelt werden will zu neuem Leben. Dieses zu ermöglichen und zu unterstützen ist die Aufgabe von Kirche, dieses zu ermöglichen und zu unterstützen ist die Aufgabe von Demokratie, damit wir alle in Freiheit leben können. Eine Freiheit, welche all jene fürchten, die Macht und Einfluss suchen, die einer Ideologie folgen und somit die Freiheit fürchten. Die Botschaft und das immer wieder neue Geschehen der Auferstehung ist der Weg der Entwicklung jedes Menschen, jeder Gesellschaft, ja der ganzen Menschheit. Trauen auch wir wieder neu dieser Botschaft, die wir heute hören, trauen wir der Empathie Gottes, erfahren wir die Kraft der Begegnung mit dem Auferstandenen und geben wir Zeugnis, so wie wir es können. Durch Wort, durch Tat, durch Geschriebenes, durch Erzähltes, durch kreatives Leben. Uns allen einen guten Sonntag!

Sascha Heinze SAC

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