Lebensraum für Spiritualität und Begegnung

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Wes Geistes Kind wir sind

Sinnerfüllt leben

Wenn wir heute nach Spiritualität fragen, dann fragen wir danach, was uns Menschen als Individuen, aber auch in unserem Miteinander antreibt und bewegt, unser Leben und unsere Welt zu gestalten. Spiritualität ist nicht nur etwas für meine innere Harmonie, für mein inneres Wohlbefinden und meine Work-Life-Balance. Spiritualität, vor allem auch im christlichen Sinn, ist mehr: Sie hält den Blick immer offen auf den anderen oder die andere, auf die Umwelt und auf die gesellschaftliche Situation um mich.

Eine Spiritualität, die mir helfen kann, mein Leben verantwortet und sinnvoll zu leben, hat alle diese Bezüge im Blick, schließt nichts aus, sondern schließt alles mit ein.

Die Spiritualität unserer Gemeinschaft ist von Anfang an ganz stark geprägt von Franziskus und Klara von Assisi, von ihrer kontemplativen Mystik und Gottesverwurzelung und zugleich ihrer der ganzen Schöpfung zugewandten Weltoffenheit.

 

Zunehmend lernen wir auch von Vinzenz Pallotti eine universelle Weite, in die uns die Beziehung zu Gott hineinführen möchte. Kontemplation und Kommunikation sind die Angelpunkte seiner Spiritualität. Das Ziel ist ein menschliches Miteinander ohne Ansehen der Person, das sich als Mitarbeit am großen Werk Gottes versteht.

 

Was könnte besser die Spiritualität des gemeinnützigen “Gemeinschaftsprojektes Haus der Stille” zum Ausdruck bringen?!

In den Augen aller Menschen
wohnt eine unstillbare Sehnsucht
...
Dieser Durst, den alle Wesen spüren,
ist die Liebe zu Gott.
...
Alles menschliche Tun
ist eine Suche nach Gott.
Nur sucht man ihn meistens dort,
wo er am wenigsten zu finden ist.

Ernesto Cardenal, Das Buch von der Liebe

Eckpunkte unserer Spiritualität

Vier große Eckpunkte sind es, die die Spiritualität unserer Weggemeinschaft im Haus der Stille markieren:

Meditation führt zur Entschleunigung des Lebens. Wir betrachten es als unseren wichtigsten Auftrag, den Menschen, die zu uns kommen, einen Raum der Stille und der Geborgenheit anzubieten. Unser Leitwort ist:

„Geh in die Stille und du wirst dich dort finden;
geh zu dir und du wirst Gott finden;
geh zu Gott und du wirst dich mitten in der Welt (und mitten im Leben) wieder finden.“ 

Unser Tagesablauf ist eingebettet in die drei Gebetszeiten mit viel Zeit der Stille morgens, mittags und abends. Gemeinsame Zeiten der Stille und Meditationen helfen uns, Ruhe zu finden. Wir meiden vieles, das uns von uns selbst ablenkt (z.B. haben wir keine Fernsehmöglichkeit).

Ziel ist die Versöhnung mit sich selbst, mit den geschenkten Fähigkeiten, aber auch die Versöhnung mit den eigenen Schwächen und Begrenztheiten. Dazu brauche ich viel Geduld mit mir selbst. Nur langsam werde ich innerlich frei genug, um mich von den Erwartungen und Ansprüchen an mich selbst und meine Umwelt zu lösen. Nur wer mit sich selbst ins Reine kommt, kann auch mit anderen versöhnt leben.

In der Stille wird der Mensch auch empfänglich für die Begegnung mit Gott, der will, dass wir das Leben haben und es in Fülle haben.

"Das Wort Gottes ist die Nahrung der Christen. Aber die meisten Menschen sind in diesem Bereich unterernährt."
Es ist schmerzlich zu sehen, wie wenig Katholiken die Bibel wirklich kennen und sich ernstlich mit ihr auseinandersetzen. Hier können wir viel von unseren evangelischen Schwestern und Brüdern lernen. Oft geht es bei uns Katholiken mehr um wissenschaftliche Studien und intellektuelle Spiele, als um Konfrontation mit dem eigenen Leben. Es ist immer der ganze Mensch gefragt. Eine Religiosität, in der nur die Gefühle zählen, führt leicht zum Fanatismus, andererseits wird eine Religiosität, die nur die Verstandeskräfte einsetzt, bald trocken und leer; sie verhilft nicht zum Leben.

Das Mühen um einen tieferen Zugang zur Heiligen Schrift führt uns unweigerlich zum Menschen. Weltnähe und Weltzugewandtheit sind Kennzeichen einer gesunden, biblisch fundierten Spiritualität. Gott ruft immer den einzelnen Menschen. Ich kann mich nicht hinter dem "Wir" verschanzen. Ich habe Verantwortung. Aber wir brauchen immer auch andere, die den Weg mit uns gehen, die uns bestärken und korrigieren. Kennzeichnend für uns Christen muss dabei das Vertrauen in Gott als Ursprung und Ziel unseres Lebens sein.

Neben verschiedenen biblischen Kursangeboten (z.B. Bibelschule im Alltag, Bibliodrama, Werkkurse Biblische Figuren), wöchtenlichen Bibelgesprächen, unserer Liturgie und biblisch orientierter Predigt bieten wir immer wieder biblische Reisen ins Heilige Land, in die biblischen Wüsten, auf den Spuren des Paulus usw. an.

Gerade in einer Zeit, in der an allen Ecken und Enden die Resignation um sich greift, ist das franziskanische Charisma mit seiner Weite und Offenheit besonders wichtig. Franziskus hat nach dem Vorbild Jesu freiwillig den Weg nach unten gewählt. Mit der Wahl seines Namens hat Papst Franziskus auch die franziskanische Spiritualität zum Weg für eine Kirche gemacht, die die Nähe zu den Menschen sucht, besonders zu denen, die an den Rand gedrängt werden.

Franziskus ließ sich seine Vision vom Leben nach dem Evangelium nicht streitig machen – weder von seinem Vater, noch von der Amtskirche, noch von seinen Brüdern. Er lehrt uns, auf die Stimme in uns zu hören und das wenige, das wir vom Evangelium begriffen haben, ins konkrete Leben umzusetzen.

Das Problem des Klimawandels und die dringende Notwendigkeit nach einem nachhaltigen Lebensstil, der die Bewahrung der Schöpfung als Überlebensfrage für die Menschheit erkennt, gehört für uns zum ureigensten Kern franziskanischer Spiritualität.

Die Franziskanische Spiritualität führt uns auch in eine Weltoffenheit, die keinen Menschen ausschließt. So gehört die Auseinandersetzung mit anderen Religionen und Kulturen zum wesentlichen Bestandteil unseres Lebens und unseres Dienstes an den Menschen. Hier fühlen wir uns auch bereichert und bestärkt durch Vinzenz Pallotti, der uns mit seiner Spiritualität einen Weg zeigen kann, der aus der Kontemplation in den Dialog und in die Kommunikation führt. 

Gerne begleiten wir Gruppen nach Assisi, bieten verschiedene (Exerzitien-) Kurse zu Franziskus und in den letzten Jahren vermehrt auch zu Klara von Assisi an, eine "Lichtgestalt", die als starke Frau in ihrer Zeit und Welt viel zu lange im Schatten von Franziskus stand. 

Offen zu sein für die Zeichen der Zeit war von Anfang an ein wesentliches Anliegen für das Haus der Stille und die Menschen, die dahinter stehen. Zur Gründung des Hauses kam es zu einer Zeit, als immer mehr Menschen ein Gegengewicht zur Rasanz und zum Druck einer leistungsorientierten Gesellschaft suchten. Viele schweiften bei dieser Suche in weite Fernen. Dieser Sehnsucht hier in Österreich Raum zu geben, war der Ansatzpunkt für die Vereinsgründung im Jahr 1977. Bereits 15 Jahre später gab es plötzlich viele ähnlich orientierte Häuser im deutschsprachigen Raum.

Kontakte nach Osteuropa, u.a. Jugendbegegnungen mit Gruppen aus Herzegowina noch zur Zeit des Kommunismus, waren uns von Anfang an wichtig. Seit der Öffnung des Ostens besteht ein permanenter Kontakt mit Rumänien – eine Frucht davon ist unser Sozialprojekt für Rumänien. Durch regelmäßige Studien- und Begegnungsreisen versuchen wir selbst, unsere geistigen Horizonte zu weiten und weitere Kontakte zu knüpfen. Durch die Aufnahme von Menschen auf der Flucht und Gästen aus verschiedensten Ländern war unser Haus immer multikulturell geprägt. Dabei kommt es immer wieder zu Begegnungen und längerem Zusammenleben mit Menschen unterschiedlicher Religionen.

Als sich im Jahr 2006 das 20jährige Jubiläum des ersten großen interreligiösen Gebetstreffens in Assisi näherte und wir die Sorge hatten, dass dieses Ereignis von vielen gerne der Vergessenheit preisgegeben würde, beschlossen wir ein sichtbares Zeichen zu setzen: das Friedenszeichen der Religionen, das im September 2007 enthüllt wurde.

Im Lauf der Jahre entstanden weitere sichtbare Zeichen für die tiefe Sehnsucht nach Frieden im Umfeld unseres Hauses bis hin zur Änderung unserer Adresse auf "Friedensplatz 1". Zusätzlich versuchen wir neben unserer gelebten Dialogpraxis in unsere Programmgestaltung und in unsere Liturgie die Aspekte des Dialogs der Religionen und der Friedensbemühungen in vielen Konfliktsituationen der Erde aufzugreifen. Die Frage nach der Dialogfähigkeit und dem Umgang mit anderen Kulturen und Religionen ist mittlerweile auch bei uns in Österreich eine Herausforderung für eine gelingende gemeinsame Gestaltung des Lebens geworden.

Vom Haus der Stille als spirituellem Zentrum sollen Impulse ausgehen,
die zu menschlicher und religiöser Vertiefung führen.

(aus dem Leitbild unserer Weggemeinschaft)