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Sonntag, 1. November 2020

Sonntag, 1. November 2020

Selig sind...


An diesem Sonntag haben wir das Fest Allerheiligen gefeiert und dabei all der vielen namenlosen Menschen, Frauen und Männer, Väter und Mütter gedacht, die nicht in einem Heiligenverzeichnis stehen und mit einem besonderen Gedenktag geehrt werden, die aber auch ihr Leben lang in der Spannung zwischen Gut und Böse, Licht und Dunkel ihren Weg mit Gott zu einem gelungenen Menschsein gesucht haben.
"Die Heiligkeit ist unsere eigentliche Persönlichkeit. Es gibt keine zwei gleichen Blätter, und es gibt auch keine zwei gleichen Menschen. Aber die Sünde macht uns alle gleich, wie Gefangene in der gleichen Uniform. Die Heiligen dagegen sind alle verschieden, weil die Heiligkeit vollkommene Verwirklichung der eigenen Persönlichkeit ist. Die Heiligkeit ist das Wiederfinden der eigenen Identität, die jedem Wesen eigen ist und die durch die Sünde verloren gegangen ist." (Ernesto Cardenal, Das Buch von der Liebe)

Das Evangelium für diesen Festtag stellt uns mit den Seligpreisungen die Wegmarkierungen vor Augen, die Jesus uns für ein solcherart gelingendes Leben mitgibt (Mt 5):

Selig, die arm sind vor Gott;
denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden;
denn sie werden getröstet werden.
Selig die Sanftmütigen;
denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit;
denn sie werden gesättigt werden.
Selig die Barmherzigen;
denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die rein sind im Herzen;
denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften;
denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.
Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen;
denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt
und alles Böse über euch redet um meinetwillen.
Freut euch und jubelt:
Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.

Am auf Allerheiligen folgenden Allerseelentag denken wir vor allem an unsere eigenen Verstorbenen, unsere Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, Familienangehörigen und Freunde. Auch sie waren hineingestellt in dieses Abenteuer Leben und sind ihren Weg gegangen, vielleicht unvollendet und unvollkommen, mit Brüchen, Verwundungen und Fehlern. Aber dennoch erhoffen und erbeten wir auch für sie dieses endgültige Ankommen bei ihrem Ursprung und Ziel, das wir Menschen Gott nennen.
Sie, unsere Vorfahren, sind unsere Wurzeln. Ob wir es wollen oder nicht: Sie prägen auch uns und begleiten uns über ihren Tod hinaus.

Diese Tage des Gedenkens an den Tod verweisen uns auch auf unsere eigene Vergänglichkeit und die Verwundbarkeit und Vergänglichkeit allen Lebens. Und sowohl dieses winzigkleine Virus, das derzeit die ganze Welt in Atem hält als auch der tagesaktuelle Terror in Wien zeigen uns, wie unvermittelt und unverfügbar der Tod oft ins Leben tritt.

So mögen die kommenden Tage des neuerlichen Rückzugs aus Geselligkeit und Nähe uns auch zur Nachdenklichkeit über den Wert unseres eigenen und jeden anderen Lebens führen.

Hans Waltersdorfer



Stirb und werde


Und so lang du das nicht hast,
dieses Stirb und Werde,
bist du nur ein trüber Gast
auf der dunklen Erde.

(Johann Wolfgang von Goethe)

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