Osterpredigt 2026
Alles, was wir heute aus dem ersten Testament hören, sind Geschichten, wie
Menschen diesen Gott rettend erfahren haben. Dann das Gloria, das uns
hineinführt in diese noch einmal neue Erfahrung: Gott als Mensch rette
endgültig.
In der Verkündigung an Maria sagt der Engel Gabriel. „Du sollst ihm den Namen
Jesus geben.“ Und das ist Programm. Das ist die Mission Jesu: Auf dieser Welt
zu zeigen, wie Gott ist:
Kein Gott, der von uns Leistung verlangt, dem wir entsprechen müssen, der uns
klein machen möchte, der unsere Opfer braucht – sondern ein liebender Gott
von Anfang an, der rettet.
Dafür ist Jesus bis in den Tod gegangen. Weil im Tod Gott dieses RETTEN noch
einmal auf ganz unglaubliche Art beweisen konnte.
Nämlich: dass er sogar den Tod besiegt.
Wir selber sind die neuen Lesungen dieser Botschaft. Wir selbst in unserem
Leben dürfen Gott als rettend, befreiend, liebend erfahren und bezeugen.
Also könnten wir auch noch die ganze Nacht dasitzen und uns solche
Geschichten von Gelingen, von Heilung von Befreiung, von Glück erzählen. Wir
selbst werden so zum lebendigen Wort Gottes. Und ich meine die normalen
Geschichten unseres Alltags, die im Erzählen Zuversicht schenken, unsere
Freunde zum Lachen bringen, gute Stimmung verbreiten.
Bin ich ein Zuversichtsmensch?
Zusammen zu kommen in der Kirche zu Ostern zu Weihnachten auch am
Sonntag, ist so wie ins Fitnessstudio zu gehen und diesen Glauben trainieren.
Diesen Glauben an das Gute, an die Zukunft, an ein DU, das mich rettet und nie
alleine lässt.
Wenn wir hier im Haus der Stille die Zuversicht so großschreiben, die
Zuversichtskompetenz hier lernen und teilen wollen. Dann ist das unsere
heutige Übersetzung von Jesu Namen: Gott rettet. Jehoshua, Jesus.
Zuversichtlich sein, die Zukunft in Empfang nehmen mit der Einstellung: Es ist
gut. So wie am Beginn der Schöpfungsgeschichte. Das ist die heutige
Übersetzung von Auferstehung. Und nichts anderes wünschen wir uns zu
Ostern: Dass wir mit zuversichtlichem Herzen, das heißt innerlich getröstet, egal
was kommt, in diesem Gott der Liebe leben.
Unsere Ausdrucksformen hier in der Liturgie sind begrenzt: Worte, Zeichen,
Lieder …
Aber jede und jeder von uns hat eigene Ausdruckformen, diese Zuversicht zu
„verkünden“ also einfach zu leben:
In der Musik, in der Nächstenliebe, im Schaffen von Räumen, in denen das
Leben gut ist, in eurer Arbeit, wenn ihr mitwirkt, die kleine und große Welt zu
retten.
Ich möchte ein Wort von Frère Roger ein bisschen abgewandelt an den Schluss
stellen: Er sagt ja: Wenn es noch so wenig ist, was du vom Evangelium
verstehst, nimm das, was du verstanden hast, und lebe es.
Ich möchte es heute so formulieren:
Nimm das bisschen oder die Fülle von Zuversicht, die du in dir trägst, und lebe
sie. Zuversicht wächst, wenn wir sie vermehren:
Über den Frieden reden statt über den Krieg,
über Lösungen sprechen statt über Probleme.
Vom Guten erzählen, nicht vom Bösen.
In diesem Sinn wünsche ich euch Gesegnete Ostern und darf euch den
ostkirchlichen Ruf zurufen.
Christus ist auferstanden. Halleluja! Halleluja!
Er ist wahrhaft auferstanden, Halleluja, Halleluja
Marlies Prettenthaler-Heckel
