Am 1. Fastensonntag hat eine Gruppe im Haus der Stille gemeinsam das Klimafasten begonnen.
Jeden Donnerstag treffen wir uns online zu einem Austausch und spannenden wissenschaftlichen Impulsen.
Eine Anmeldung zu den Online-Terminen ist nach wie vor möglich.
Online-Termine:
jeweils donnerstags von 18:00-19:00 Uhr am
26. Februar
05. März
12. März
19. März
Anmeldung:
info@haus-der-stille.at
+43 3135 82625
Im Evangelium vom ersten Fastensonntag (Mt 4,1–11) begegnen uns mit den Versuchungen Jesu jene Grundfragen menschlichen Lebens, die auch angesichts der Klimakrise neu nach Antworten verlangen.
Die drei Versuchungen, von denen uns Matthäus erzählt, sprechen drei existenzielle Bedürfnisse an, die auch uns heutigen Menschen vertraut sind. Diese drei Bedürfnisse haben nach meiner Lesart auch viel damit zu tun, warum Phil, Marlies und ich glauben, dass es ein Klimafasten braucht. Warum es eine Reform für Körper, Geist und Seele braucht, also unseres Lebensstils im umfassenden Sinn, damit dieser vereinbar wird mit der fortgesetzten Existenz menschlichen Lebens auf der Erde.
Erstens: Für unsere materielle Existenz brauchen wir gesunde Nahrung. Wenn es beim Klimathema nur darum ginge, ob unsere Enkelkinder und deren Kinder in Zukunft noch Skifahren können, müssten wir diesen großen Aufwand der kompletten Transformation unseres Wirtschaftens hier auf der Erde nicht unternehmen.
Es geht um die existentielle Bedrohung in unzähligen Regionen der Welt, ausreichend Lebensmittel produzieren zu können. Auch bei uns, in der vielfältigen und für so viele Kulturen fruchtbaren Steiermark, in der über Jahrzehnte jedes Jahr mehr und mehr Äpfel geerntet werden konnten, jagt seit 15 Jahren eine klimawandelbedingte Missernte die andere, und die Menge sinkt oder stagniert. Darum geht es also und geht es gleichzeitig auch nicht: Denn wie Jesus sagt: Der Mensch lebt nicht nur vom Brot (oder Apfel) allein.
Auch die Klimabewegung ist nicht frei von der Versuchung der Engführung auf unsere materielle Existenz. Wer den Weltuntergang nur im physischen, körperlichen aufhalten will, der verdrängt, dass die Angst vor dem Untergang ein zutiefst seelisches Thema ist.
Dieser zweite, emotionale und spirituelle Hunger ist in der zweiten Versuchung angesprochen. Wir alle hungern nach Sinn, Sicherheit und Vertrauen. Ja natürlich würden wir gerne ausschließlich auf Engelshänden getragen werden. Auch das ist eine Versuchung: wir könnten meinen, die Klimakrise einfach wegmeditieren zu können.
Dem setzt Jesus entgegen: Du sollst den Herrn, Deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. Du kannst Dich nicht hier in Deine Verbundenheit und Harmonie mit der ganzen Welt und dem Universum vertiefen, im Sonntagsgottesdienst vielleicht noch um die Bewahrung der Schöpfung bitten und im Rest der Woche so wie der Durchschnitt der Österreicher*innen nur für Mobilität, Heizen und Essen 130 kg an schädlichem Treibhausgas in die Luft blasen. 130 kg, mehr als wir selbst wiegen als Ballast für die Atmosphäre in nur einer Woche! Das passt nicht zusammen, da stößt auch Gott an die Grenzen seiner eigenen Naturgesetze.
Die dritte Versuchung spricht unseren Hunger nach Macht an, den Hunger danach, Bedeutung und Einfluss, Anerkennung oder Erfolg zu haben. Wer möchte das nicht? Wir als Einzelne, aber auch als Gruppe, als Nation, ja als Menschheit. Es geht hier nicht darum, dass wir in dem Garten, den wir gerade bestellen, keinen Erfolg haben sollen, oder dass sich dieser Erfolg vielleicht nicht auch auf das brachliegende Nachbargrundstück noch ausdehnen darf.
Wachstum ist nicht per se problematisch. Im Gegenteil, Wachstum ist das Prinzip des Lebens, das Ziel alles Lebendigen. Es geht um das Übermaß, das ständige „noch mehr, noch größer“, die Unersättlichkeit der eigenen Ambition, die manchmal auch dazu führt, dass wir den eigenen, ureigensten Verantwortungsbereich vernachlässigen.
Wenn ich heute von dieser Versuchung bei Matthäus lese, höre ich gleichzeitig wie die Techmilliardäre Jeff Bezos, Elon Musk und Peter Thiel der Menschheit gerade ins Ohr flüstern: „Ach was kümmert ihr Euch so sehr um die armselige kleine Erde, es gibt doch so viele schöne andere Planeten. Lasst uns viele, viele Raketen bauen, lasst uns eine multiplanetare Gesellschaft werden, das bringt uns weiter, dort müssen wir hin!“
Wie gut, dass wir im Evangelium gezeigt bekommen, dass wir nicht jeden Hunger, der ja in dieser dreifachen Form, sehr real ist, und den wir auch nicht wegdiskutieren können, dass wir nicht jeden Hunger gleich mit dem erstbesten Angebot stillen müssen. Wir können auch Nein sagen. Ein solches Nein aus freien Stücken lässt uns nicht als Hungrige zurück, sondern als Fastende. Fasten, auch das Klimafasten sehe ich als Form, unseren dreifachen Hunger wahrzunehmen und trotzdem frei zu sein, das richtige zu tun.
Franz Prettenthaler