Lebensraum für Spiritualität und Begegnung

+43 3135 82625

Die Tiefen Gottes ergründen

Wir haben die Worte des Paulus an die Korinther gehört: „Vielmehr verkünden wir das Geheimnis der verborgenen Weisheit Gottes, die Gott vor allen Zeiten vorausbestimmt hat zu unserer Verherrlichung“ und „wir verkünden, wie es in der Schrift steht, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was in keines Menschen Herz gedrungen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“

Was ist nun diese geheimnisvolle Weisheit, die kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat? Wie und wo finden wir sie? Welcher Weg schenkt uns Zugang zu dieser Weisheit, und gibt es diesen Zugang für uns überhaupt? „Uns aber“, so Paulus weiter, „uns aber hat es Gott enthüllt durch den Geist. Der Geist ergründet nämlich alles, auch die Tiefen Gottes.“ Wenn wir also den Geist hätten, könnten wir die Tiefen Gottes ergründen? Durch den Geist also könnten wir die Weisheit Gottes ergründen? Ist das so? Und wie bekommen wir Zugang zu diesem Geist? Das klingt fast wie eine Zauberformel, um den „Schatz der Weisheit“ zu finden und heben zu können.

Gut, dass wir als Christinnen und Christen das Beispiel Jesu für uns haben. Er „ist der Weg und die Wahrheit und das Leben“, wie er einmal sagt. Jesus, so sagt er es uns heute, ist nicht gekommen, um das Gesetz aufzuheben, sondern um das Gesetz zu erfüllen. Was bedeutet das? Wir hören ihn heute ein paar Mal sagen: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist; ich aber sage euch:  …“ Er geht also in eine vorhandene Lebensweisheit hinein und weitet sie, klärt sie mit seinem Zugang, mit seiner Weisheit, die er durch die Anbindung an Gott in sich trägt und erkennt. „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist; ich aber sage euch:  …“  Mein Eindruck ist: Wenn ich auf die Einlassungen Jesu schaue, dass er mit viel mehr Gespür und Sensibilität an die Sache ran geht, als es die Aussagen der „Alten“ tun.

Augustinus (354-430) merkt  zu dieser Stelle an: „Worin ist das Gesetz noch unvollkommen, wodurch muss es noch vervollkommnet werden? … Wer zu etwas Bestehendem etwas Fehlendes hinzufügt, will dadurch das schon Bestehende an sich nicht ändern. Er will es bestätigen und mehren.“

Angelika Strotmann, eine Exegetin schreibt: „Die jesuanische Toraauslegung richtet sich gegen ein Toraverständnis, das den Willen Gottes auf das Rechtliche reduziert und dadurch insbesondere im Umgang mit dem Mitmenschen in der Gefahr steht, das, was nicht ausdrücklich als Gebot formuliert ist, z.B. Selbstgerechtigkeit und Vergeltungsdrang, indirekt als von Gott erlaubt zu deuten.“

Jesus möchte uns also sensibilisieren für unsere inneren Regungen und Gefühle. Es geht ihm nicht um Regeltreue und die Frage, was ist noch erlaubt und was ist schon verboten. Wir schauen gerne auf den Tacho, wieviel Toleranz noch bis zum vermeintlichen Strafzettel bleibt, wenn wir geblitzt werden. Jesus möchte uns sensibilisieren für einen guten Umgang mit uns, mit anderen, mit der Welt. Es geht im Straßenverkehr zuerst um ein achtsames und von Respekt geprägtes Miteinander. Es geht darum, Menschen, vor allem Kinder, vor Gefahr oder vor Lärm zu schützen. Erst danach geht es um mein individuelles Bedürfnis nach Freude am Autofahren. Es geht im Umgang mit Menschen um das, was dem anderen gut tut.

Die Weisheit Gottes, so interpretiere ich es, ist also das, „was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was in keines Menschen Herz gedrungen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“

 Die Liebe lässt uns vorsichtig und nicht berechnend sein; die Liebe lässt uns sensibel und achtsam und nicht darüberfahrend sein, die Liebe lässt uns versöhnend und nicht verurteilend handeln. Jesus deckt also die „verborgene Weisheit Gottes,“ wie Paulus es nennt, auf. Er versucht die Weisheit hinter dem reinen Buchstaben des Gebotes aufzudecken. Weil es um mehr geht. Es geht um Achtsamkeit, um Mitgefühl, und Achtung der Würde, um eine Sensibilität für Gerechtigkeit, um Wahrheit. Wir, so Jesus, können also Anteil haben an der Weisheit Gottes, wenn wir uns dem Geist des „Wir“, dem Geist des Gefühls und der Sensibilität öffnen. Dem, was mir und dem anderen guttut.

Wenn wir versuchen, in diesem Geist zu leben, dann kann es sein, dass wir so in die „Tiefen Gottes“ vordringen können. Eben in diese Haltungen, die Jesus jenseits des Buchstaben des Gesetzes verortet. Eben in den Haltungen, die uns helfen können, uns selbst und die anderen zu achten. Achtsam sein ist das Adjektiv, das uns diese Haltung in unsere Existenz bringen kann. Und da unser Leben existentiell und nicht distanziert gelebt werden soll, geht es um viel mehr als darum, gesetzestreu und buchstabengetreu zu leben und zu erfüllen. Es geht darum, dass wir Stellung nehmen zu dem, was uns angeht, in jedem kleinsten Augenblick unsers Daseins. Das geht nur, wenn wir versuchen achtsam zu leben. So können wir in die Sensibilität Jesu hineinfinden.

Sascha Heinze SAC

Komm
und bete mit uns

unsere Gebetszeiten und Gottesdienste sind öffentlich...

Gebet und Meditation

in vielfältigen Formen prägen und begleiten unseren Alltag
Mehr darüber

Ein Jahr anders leben...

...in der Weggemeinschaft im Haus der Stille
auf der Suche nach dir selbst und dem Sinn deines Lebens

Freiwillig
für eine gute Sache

als Volontär:in für 1 - 6 Monate
in der Weggemeinschaft im Haus der Stille