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Impulse - Archiv

Sonntag, 8. November 2020

Sonntag, 8. November 2020

Öl der Weisheit



Gedanken zum Sonntagsevangelium am 08.11.2020
Das Öl der Weisheit und die Dummheit des Gut-Dastehen-Wollens
Weish 6,12-16
Mt 25, 1-13


Wir alle kennen das Evangelium von den klugen und den „törichten“, dummen Jungfrauen. Eine große Hochzeit steht bevor, das Fest des Lebens, das Gott mit uns Menschen feiern will. Alle warten auf die Ankunft des Bräutigams – und wie jedes Fest wird, wenn es nachts gefeiert wird, vor allem eines gebraucht: Licht!
Die mit ihren Lampen ausgestatteten Jungfrauen – ein Bild für uns Menschen – haben ihre Lampen dabei und warten darauf, dass es mit der Ankunft des Bräutigams endlich losgehen kann. Als der Bräutigam kommt, fällt den „Dummen“ erst auf, dass sie in ihren Lampen kein Öl haben. Die „Klugen“sind (das ist erst einmal irritierend im Evangelium) nicht bereit zu teilen, sie behalten ihr Lampenöl für sich: „Wenn wir euch Dummen etwas abgeben, reicht es nicht für uns und nicht für euch!“ So machen sich die Dummen auf, bei den Händlern Öl zu besorgen, das dauert viel zu lang ... und so stehen sie am Schluss bedeppert und enttäuscht vor verschlossener Tür, während drinnen das Fest des Lebens gefeiert wird.

Wir haben heute dieses Evangelium zusammen gehört mit einer schönen Lesung aus dem Buch der Weisheit. Diese Lesung legt eine Spur, in der Erzählung von den „klugen“ und „dummen Menschen“, zwei für uns wertvolle Impulse.

Die erste Spur lenkt unseren Blick auf die Frage, was es eigentlich mit dem „Öl“ auf sich hat. Was ist das eigentlich, das unsere „Lampen“, unsere Herzen, unser Leben mit Licht erfüllt? Welches Licht tragen wir als Gläubige mit uns, um teilzunehmen am Fest des Lebens mit Gott? Es ist die „göttliche Weisheit“ selbst, die uns anfüllt mit ihrer Menschenfreundlichkeit, ihrem klaren Blick, mit der Gabe der Unterscheidung, mit Unbestechlichkeit, Freude, die uns mit Widerstandskraft ausstattet, die uns „zu Freundinnen und Freunden Gottes macht, zu Prophetinnen und Propheten“. In der heutigen Lesung wird sie beschrieben als „das, wonach wir voller Sehnsucht auf der Suche sind“. Sie sitzt immerfort vor der Tür unseres Herzens und unseres Hauses, sie begleitet uns überall hin, überall lässt sie sich finden ... sie zu lieben, sie im Herzen zu tragen, verwandelt unser Leben.

Im Haus der Stille besingen und erbitten wir sie immer wieder mit einem Lied: „Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut!“

Die zweite Spur lenkt unseren Blick auf die unterschiedlichen Menschen – mit oder ohne dieses „Öl der menschen- und lebensfreundlichen Weisheit“ in unserem Vorrat. Das Evangelium – provozierend– unterscheidet sie als „dumme“ und „kluge Menschen“. Was unterscheidet sie? Warum sind die einen klug, die anderen dumm? Worin bestehen „Dummheit“ und „Klugheit“? Was haben die Klugen verstanden, die Dummen nicht? Die Frage entscheidet sich in dem Moment, als der Bräutigam auftaucht und das Fest beginnt ... und zwar mit der Frage, was wir mit unseren vollen oder leeren Lampen machen. Die Klugen haben ganz recht, wenn sie von ihrem Öl nichts abgeben (auch, wenn das erst einmal gemein klingt für Christ*innen-Ohren): Wenn wir das vorhandene Öl einfach aufteilen, hat alles keinen Sinn. Sie haben verstanden, dass es eigentlich gar nicht um das Öl geht, sondern um das Licht, das damit entzündet wird. Für die Feier braucht es Licht! Wenn wir „gerecht (oder mitleidig) teilen“, geht zur Halbzeit das Licht aus und das Fest endet im Dunkeln.

Was ist die Dummheit der Dummen hier? In der peinlichen Situation, selbst kein Öl zu bieten zu haben, gehen sie weg, um einzukaufen. Sie haben etwas Entscheidendes nicht verstanden!

Noch einmal zurück zur Lesung aus dem Buch der Weisheit. Die Weisheit Gottes wird dort nicht nur beschrieben als das, was wir suchen, um was wir uns bemühen sollen (das sollen wir natürlich!). Sie selbst „geht umher, um uns Menschen zu suchen“, sie „erscheint freundlich auf unserem Weg, kommt uns immer schon entgegen“. So ist Gott! So erscheint auch der „Bräutigam“, Jesus selbst. Die eigentliche Dummheit (oder Krankheit) der Dummen ist, dass sie diese Menschenfreundlichkeit, das niemals zurückzunehmende Freundschaftsangebot Gottes, seine erbarmende Einladung zum Fest des erlösten Lebens nicht sehen können, nicht beherzigen, nicht glauben können. Sie sind besessen vom Zwang, „selbst gut dazustehen“, sich zu beweisen vor dem Bräutigam. Eine Versuchung für uns alle! Im Evangelium sind weder die „Klugen“ noch die „Dummen“ vollkommen. Beide schlafen zwischendurch ein. Jede und jeder ist nicht immer „perfekt“, wachsam, aufmerksam, voller Menschenfreundlichkeit, Hoffnung, Liebe und Vertrauen. Wir alle haben unsere „verschlafenen Seiten“. Die entscheidende Frage im Evangelium ist, ob ich vor dem „Bräutigam“, vor Gott, SO auftauchen darf: nicht perfekt, nicht regelkonform, unvollkommen, begrenzt, gebrochen ... mit nur wenig oder sogar ganz ohne „Öl“.
Die Weisheit lehrt uns: JA! Freundlich kreuzt Gott unseren Weg, er ist doch viel mehr auf der Suche nach uns als wir nach ihm!

Die Dummheit besteht darin, zu denken „Für Gottes Fest muss ich Öl vorweisen können“. Das ist wirklich dumm! Und noch dümmer ist es, im entscheidenden Moment genau das „abzusichern“, indem ich weggehe, um Versäumtes zwanghaft nachholen und ausbessern zu wollen. Wären die „Dummen“ klug, dann hätten sie verstanden, dass sie sich vom Licht der anderen mit-wärmen und mit-beleuchten lassen dürfen. Sie hätten sich gar nicht schämen und verstecken müssen. Auch, wenn es nicht ihr „eigenes“ ist, es ist doch Licht da für die Hochzeitsfeier.

Also: zwei Dinge wünsche ich uns heute. Zum einen die Sehnsucht nach Gottes menschenfreundlicher Weisheit – und auch ein Leben, das erleuchtet ist und brennt aus dieser Quelle. Zum anderen den Mut und das Vertrauen, dass es letztlich nicht auf unsere „Vollkommenheit“ ankommen wird. Das Kleine, das Unscheinbare, das Gebrochene, ... es ist Gott willkommen!

Damit euch allen ein herzlicher Gruß von P. Edward Fröhling SAC und der ganzen Gemeinschaft am Haus der Stille.

Schenk uns Weisheit


1. Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut
für die Ängste, für die Sorgen,
für das Leben heut und morgen.
Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

2. Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut,
für die Wahrheit einzustehen
und die Not um uns zu sehen.
Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

3. Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut
für die Zeit, in der wir leben,
für die Liebe, die wir geben.
Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

4. Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut
für die vielen kleinen Schritte.
Gott, bleib du in unsrer Mitte.
Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

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