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Nimm dir Zeit für dich


Impulse aus dem Haus der Stille


Solange wir wegen der aktuellen Maßnahmen für den Schutz vor dem Coronavirus nicht als Gastgeber für dich da sein können, wollen wir dich mit täglichen Impulsen auf dieser Seite an den Gebetszeiten unserer Hausgemeinschaft teilhaben lassen und dich so durch diese Zeit begleiten.
Aktuelle Bilder aus unserem Haus und Garten werden die Texte und Gebete ergänzen.

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Sonntag, 29. März 2020

Sonntag, 29. März 2020

Morgenlob: Weg, Wahrheit und Leben
aus unserer Gebetsmappe "Sei gelobt...", S. 46

nach Psalm 130


(aus dem Anhangheft, Übersetzung: Kapuzinerkloster Rapperswil, CH)

KV: Bei Gott ist Huld, bei ihm ist Erlösung in Fülle.

1. Aus der Tiefe der Verlassenheit rufe ich zu dir; *
o Gott, achte auf meine Stimme.

2. Wenn du unsere Versagen zählen wolltest, *
wer könnte dann bestehen vor dir?

3. Doch bei dir ist Vergebung, *
damit man in Ehrfurcht dir dient.

4. Du bist ein Gott, der Mitleid hat und verzeiht, *
der will, dass der Mensch aufsteht und ein Mensch ist.

5. Ich hoffe auf dich, alles an mir hofft, *
mit Leib und Seele warte ich voll Vertrauen auf dein Wort.

6. Mehr als die Wache auf den Morgen, *
wartet meine Seele auf dich.

7. So sollt auch ihr hoffen, +
denn Gott verzeiht und erlöst vollkommen, *
keine Schuld bleibt zurück.

8. Setzt eure Hoffnung auf ihn, *
denn er ist uns liebend zugewandt.

Ehre sei dem Vater durch den Sohn *
im Heiligen Geist,

dem einen, lebendigen Gott *
von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

(Kehrvers)


Gedanken zum Evangelium


Joh 11,1-45 (Erweckung des Lazarus)

In diesen Tagen sind wir alle auf uns zurückgeworfen. Wir sind aufgefordert, den Anweisungen der Regierung und der Bischöfe Folge zu leisten und zuhause zu bleiben. Zuhause, in unseren vier Wänden. Es können somit in dieser Zeit auch keine öffentlichen Gottesdienste stattfinden. Manche werden diese Zeit relativ allein verbringen, andere sind nun mit ihren Familien, mit ihrem Lebenspartner, mit ihrer Gemeinschaft oft auf engstem Raum zusammen. Von verschiedenen Ordensmitgliedern habe ich schon gehört, dass es für sie eine ganz neue Erfahrung von Gemeinschaft ist, dass sie sich eine neue Tagesstruktur gegeben haben, die dem Rechnung trägt, dass nun alle zuhause sind und Zeit haben für gemeinsames Gebet, das gemeinsames Essen. Manche Menschen werden aber unter dieser Situation auch leiden. Ihnen werden der Raum zu eng, die Zeit zu lang, die Beziehungen zu dicht vorkommen. Manchen wird der vertraute Gang zu einem Gottesdienst fehlen. Viele sind in Angst und Sorge um ihren Arbeitsplatz, um die Wirtschaft, um die eigene und um die Gesundheit anderer. Wir alle haben eine neue Situation zu bewältigen, ein Situation, die niemand von uns so aus der Erfahrung kennt. Ich bin gespannt, was diese ganze Situation in mir und in uns verändert. Dieses Zurückgeworfensein auf uns ist ein Aufgabe, die zu bewältigen wir aufgefordert sind. Diese Situation kann uns Enge, Verlorensein, Ängstlichkeit, Unwohlsein, spüren lassen. Diese Situation kann uns Überforderung spüren lassen, weil die Kinder nun alle zuhause sind, ich meinen Job machen muss, weil die Welt sich unsicher anfühlt. Wir können dies alles erleben wie ein Sterben. Es gibt in diesen Tagen nicht nur ein Sterben von konkreten Menschen, die durch diese Pandemie wirklich physisch sterben. Diese Situation kann sich auch für uns wie ein Sterben und wie ein Tod des Alltäglichen, wie ein Sterben und wie ein Tod von Gewissheiten, von Vertrautem, von Gegenwart anfühlen. Vertraute Abläufe sind unterbrochen, der Fluss der Zeit hat quasi eine Pause genommen. Nur Ärzte, Pflegepersonal, Apotheken, Supermärkte und manche andere Arbeitsbereiche sind in Betrieb und halten unseren gesellschaftlichen und privaten Alltag am Leben.

In diese Situation hinein hören wir heute die Geschichte der Auferweckung des Lazarus. Vielen von uns ist diese Geschichte bekannt. Sie möchte uns sagen, dass der Mensch, der in und aus dem Geist Jesus Christi lebt, schon jetzt auferstanden ist, dass er schon jetzt vom Tod zum Leben übergegangen ist. Wir hören Jesus sagen: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“ Diese Aussage Jesu weist uns darauf hin, dass wir alle in ein größeres Christusbewusstsein eingebettet und eingebunden sind, ein Christusbewusstsein, dass uns leben lässt, auch wenn wir sterben, dass uns ewig leben lässt. Und das nicht erst nach unserem physischen Tod, sondern jetzt und hier und heute. So ist auch die Antwort der Marta zu verstehen, die Jesus erwidert: „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.“ Jesus ist die Inkarnation des ewigen Christus, der in die Welt gekommen ist.

Bruder David Steindl-Rast OSB schreib in seinem Buch „Credo“: „Dabei ist es von großer Bedeutung, dass wir nicht nur von Jesus sprechen, oder von Christus, sondern von JESUS CHRISTUS. Die Benennung JESUS CHRISTUS hält zwei Pole in schöpferischer Spannung miteinander verbunden: Jesus eine geschichtliche Persönlichkeit, und Christus, die gottmenschliche Wirklichkeit in jedem Menschen, also auch in uns selbst, die in Jesus einzigartig aufleuchtet. Wir dürfen diese Spannung nicht aufheben. Wenn ich den einen Pol - Jesus - auf Kosten des Christus in mir betone, so verliert Jesus seine einzigartige Bedeutung für mich persönlich, er kann mir zwar ein bewundernswerter Lehrer sein, aber ich erkenne in ihm nicht die geschichtliche Verwirklichung meiner eigenen gottmenschlichen Möglichkeit. Wenn ich aber den anderen Pol so ausschließlich betone, dass ich den Christus-in-mir nicht in Jesus von Nazareth verwirklicht sehe, dann ist meine innere Christuswirklichkeit ihres objektiven geschichtlichen Bezugspunktes und Maßstabes beraubt, und ich kann sie allzu leicht subjektiv verzerren. Beide Pole verlangen unsere beständige Aufmerksamkeit. Ich muss mich bemühen, immer klarer zu sehen, worauf ich mich einlasse, wenn ich Jesus nachfolge. Zugleich muss ich immer bewusster aus meiner innersten Mitte leben, und so Christus in mir verwirklichen. Unsere Gottesähnlichkeit wird umso strahlender leuchten, je mehr wir unser ureigenstes Selbst - Christus-in-uns - verwirklichen. Was wir von Jesus wissen, das haben wir von anderen erfahren; was Christus heißt, das kennen wir aus eigener Erfahrung, auch wenn wir nie von Jesus gehört haben. Einfach als Menschen sind wir mit Christus in dem Ausmaß vertraut, indem wir uns selber kennen, sind ihm in dem Ausmaß verbunden, indem wir unserer innersten Wirklichkeit getreu leben. Indem Du Dich selbst kennst, kennst Du Christus, indem Du Dich selber verwirklichst, wirkt Christus in Dir; indem Du Dein wahres Selbst findest, findest Du Christus. Und wie finden wir dieses SELBST (im Gegensatz zum ICH)? Jede spirituelle Tradition hat dies zum Ziel, und auch die Methode ist grundsätzlich bei allen die gleiche: Im Jetzt leben zu lernen.“

Gerade jetzt in dieser Coronazeit, in der ich und wir auf uns selber zurückgeworfen sind, kann uns diese Weisheit und diese Wirklichkeit in uns helfen, mit dieser Situation umzugehen. Jetzt, da wir uns in einer Situation befinden, die ich vielleicht mit einem Gefühl der Unsicherheit und des Alleinseins in meinem Zimmer, in meiner Wohnung, in meinem Garten verbringe. In dieser Zeit, in der manches abzusterben scheint, was mir Vertrautheit und Sicherheit gegeben hat. In dieser Zeit, in der manches stirbt, was bis vor kurzem zur Gewissheit meines und unseres Lebens gehört hat. Die gewohnten Abläufe, die Wege zur Arbeit oder zur Schule, das Laufen des Betriebes oder der Kurse in unserem Haus. All das ist nun unterbrochen und wir wissen noch nicht, wie und wann unser Leben, unsere Gesellschaft wieder auferstehen, wieder anlaufen wird, wir alle wissen nicht, was dann Normalität sein wird. Jesus bietet uns die Weisheit, und die Gewissheit des inneren Angebundenseins an seine Auferstehungserfahrung und an seine Christuserfahrung an. An eine Erfahrung des Lebens, die uns der Tod, der Zweifel, die Unsicherheit nicht nehmen kann. Es ist die Gewissheit der Verbundenheit mit Gott, und es ist die Gewissheit des „Christus-in-mir“, wie es Bruder David nennt. Es ist die Gewissheit der Verbundenheit mit den Menschen, mit der Welt, die wir in diesen Tagen ansatzhaft spüren können, auch wenn wir weniger physische Kontakte haben. Materialisiert hat sich diese Verbundenheit, Gott sei Dank, mittlerweile im Telefon, im Internet, in WhatsApp und all jenen Kanälen, in denen wir nun auch aus manchem Homeoffice heraus kommunizieren können. Enkel können mit ihren Großeltern chatten, Freunde sich begegnen, wir können in Verbindung, in Begegnung sein, auch wenn wir physisch getrennt sind. Alle diese Erfahrungen dürfen wir in der Botschaft Jesu „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben“ lesen, hören und glauben. Wir leben, weil wir in einer neuen Weise leben, wir leben, weil wir in einem geweiteten Bewusstsein, in einem Christusbewusstsein leben, dass die Enge, die Einsamkeit und den Tod überwunden hat. Wir dürfen in dem Bewusstsein des „Christus-in-uns“ leben, das sich exemplarisch in Jesus Christus gezeigt hat. So ist er zur Ausrichtung unsers Lebens geworden und möchte es immer wieder sein.

Die jetzige Situation kann und wird bei manchen von uns, vielleicht auch schmerzlich, dieses Christusbewusstsein und dieses neue Leben Jesus befördern und stärken. Haben wir vor diesen Erfahrungen keine Angst, sondern glauben wir der Botschaft Jesu vom Leben und von der Auferstehung, so dass wir alle gestärkt und als Auferstandene aus dieser Situation hervorgehen können.

Ich, Sascha Heinze SAC, und die Gemeinschaft am Haus der Stille wünschen Dir einen frohen und gesegneten Sonntag!


Gebet in der Corona-Krise

Herr, du Gott des Lebens,
betroffen von der Not der Corona-Krise kommen wir zu dir.
Wir beten für alle, deren Alltag jetzt massiv belastet ist
und bitten um Heilung aller Erkrankten.
Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden.
Tröste jene, die jetzt trauern, weil sie Tote zu beklagen haben.

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über uns / Impulse

Impulse - Archiv

Die Impulse der vergangenen Tage im Archiv...


Lichter der Hoffnung

Katholische, evangelische und orthodoxe Kirchen in Österreich rufen zum gemeinsamen Gebet auf - Christen aller Konfessionen sind eingeladen, jeden Tag um 20 Uhr eine brennende Kerze ins Fenster zu stellen und das "Vater unser" zu beten. In den Kirchen werden dazu die Glocken geläutet.


Sonntagsgottesdienst zu Hause

Eine kleine Linkliste mit konkreten Anregungen zur (Mit-)Feier des Sonntagsgottesdienstes zu Hause:

  • Bibelwerk Linz: Sonntagsblätter zu den Lesungen

  • Predigtforum: Texte und Gestaltungselemente zu den Sonn- und Feiertagen; jetzt auch Vorschläge für ein tägliches "Hausgebet"

  • Überblick über Live-Stream-Gottesdienste oder Rundfunk-/Fernsehübertragungen:

  • Jesuiten: Newsletter „Ignatianische Nachbarschaftshilfe“: Täglich ein spiritueller Impuls, am Samstag eine Anleitung für einen Hausgottesdienst

  • Sonntagsblatt: Hauskirche - Den Sonntag zu Hause feiern


Geistliche Lieder zur Feier

Gerade für das persönliche oder gemeinsame Feiern in der Familie bieten unsere CDs mit Neuen Geistlichen Liedern zu unserem Liederbuch "du mit uns" eine wertvolle Unterstützung. Alle Lieder sind voll ausgesungen (mit allen Strophen) und zusätzlich als Instrumentalversion zum Selbersingen in modernen Arrangements auf den CDs enthalten. Auch wenn wir derzeit auf Sparflamme arbeiten, schicken wir dir Liederbücher und CDs auch in diesen Tagen gerne zu. Nähere Informationen...

Geistliche Lieder zur Feier


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