Predigt zu Mariä Himmelfahrt, 15. August 2026
Blaise Pascal, einem französischen Mathematiker, Physiker und Philosophen wird folgendes Zitat zugeschrieben:
„Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, dann erzähle ihm von deinen Plänen!“
Immer wieder in meinem Leben habe ich große, übergroße Pläne geschmiedet.
Oftmals glaubte ich, die Welt alleine aus den Angeln heben zu können, sie zu einem besseren Ort zu machen, sie durch mein durchdachtes Planen und Umsetzen von phantastischen Ideen zum Guten zu wandeln – natürlich für mich, aber eigentlich für alle Menschen.
Und ich bin dann an vielem gescheitert – mitunter an der mir zur Verfügung stehenden Zeit, denn der Tag hat nun Mal nur 24 Stunden, die Woche nur 7 Tage, gescheitert an der wissenschaftliche Machbarkeit, denn die Welt hält sich streng an physikalische Grenzen.
Am allermeisten aber bin ich am Menschen gescheitert: an mir selbst, weil dann doch andere interessante Dinge dazwischen gekommen sind oder oft auch an den anderen Menschen, die die von mir so begeistert verfolgte Idee halt nicht so großartig fanden.
Und doch denke ich, dass es bisher ein gelungenes Leben ist, dass ich ihm – mit Umwegen – konsequent gefolgt bin, auch wenn meine Pläne nicht (alle) aufgegangen sind.
Eine der großen menschlichen Existenzfragen lautet neben dem „Woher komme ich?“ und „Wohin gehe ich?“: „Was ist der Sinn des Lebens?“…
Oder anders formuliert: „Gibt es einen Plan für mein Leben?“
Oder nochmal anders: „Hat Gott einen Plan mit mir?“
Gerade das Leben von Maria kann da ein wunderbarer Hinweisgeber sein.
Eigentlich beginnt bei ihr alles so unscheinbar, so unaufgeregt: ein kleines Leben irgendwo in der römischen Provinz. Gerade auch als junge Frau hat sie nichts: keine hohe politische Stellung, keine Wirkmacht in der gesellschaftlichen oder finanziellen Teilhabe, keine, die große Chancen auf eine Bildungskarriere hatte. Sie ist eigentlich völlig unsichtbar und müsste es nach der Logik des Systems auch bleiben.
Ich stelle sie mir realistisch als eine vor, die keine großen Pläne schmiedet, weil es auch keinen Sinn machen würde: keine Agitatorin, die laut Rechte einfordert, auf den Tisch haut – aber sie ist bereit, ihrer an sie gestellten Aufgabe konsequent nachzukommen: voller Demut, aber auch voller Selbstbewusstsein – dem sich bewusst vor Augen führen, was man kann und was man ist.
Bei der evangelischen Theologin Luise Schottroff habe ich diese Gedanken entdeckt, die mich besonders inspirierten:
„Den Gehorsam der Maria dem Willen Gottes gegenüber sollte man nicht mit Unterwerfung verwechseln.
Der Gehorsam gegen Gottes Willen zerstört nicht Selbstbewusstsein, sondern richtet es auf.“
So ist Maria – ganz gegen jede Vernunft, jeden menschlichen Plan – genau das geworden, was die vorher gehörte Bibelstelle in Lukas anspricht, wenn Maria selbst über sich sagt „Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter!“
Sie ist übermächtig in ihrer Wirkkraft, sichtbarer als jeder andere ihrer Zeitgenoss:innen!
Hier sehe ich Parallelen in der unaufdringlichen, ja demütigen Wirkmacht und Heilkraft der Pflanzen, die wir heute segnen werden:
Sie wachsen – wenn wir sie lassen – auf den wildesten Wiesen, sprießen hervor am Wegesrand, zwischen Steinen. Planlos? Ungeplant?
Nein, vielmehr bereit, um planvoll eingesetzt zu werden, wenn wir Menschen sie brauchen, um Heilung zu erfahren!
Und doch so unaufdringlich, so unscheinbar, so scheinbar demütig.
Gleichermaßen verhält es sich auch mit dem Angebot Gottes an uns:
der Einladung der göttlichen Liebe an uns, an ihn zu glauben, auch wenn das der unscheinbarere, der unsichtbarere Weg ist – denn Gott hat einen Plan mit uns!
Neulich hat mich ein guter Freund besucht. Sein Leben hatte bereits viele Höhen, viele Tiefen genommen.
Sein bisheriges, oft wenig mit Glauben oder gar religiösen Ritualen, Teilhabe an Glaubensgemeinschaften in Berührung gekommenes Leben hatte eine Wendung genommen, die ihn nach einem neuen Sinn in allem suchen ließ.
Und so bietet er sich an – der Weg zu Gott, der durchaus kein gerader ist; der Plan, der eben nicht wie am Reißbrett in einem sterilen Büro entworfen wurde, sondern eines konsequentes Mittuns vom Menschen bedarf.
Mit Gott ist immer zu rechnen – aber er drängt sich nicht auf und „überfällt“ uns nicht, sondern er steht – wie die Kräuter – am Wegesrand. Er geht mit uns mit, wenn es herausfordernd ist, er fängt uns auf, wenn wir uns allein und verlassen fühlen. Er heilt uns, wenn wir verletzt sind.
Im Vater unser werden wir nachher betend singen „Dein Wille geschehe!“ – Dein Plan, Gott, soll sich erfüllen …
Und – auch so haben wir es vorher im Evangelium gehört: „Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten.“
Heißt das nun aber, dass wir uns ganz aus der Verantwortung ziehen können, alle Entscheidungen dir – Gott – übergeben und wir im Endeffekt eh nichts beitragen können, weil alles bereits ausgemacht ist, du das mit deinem starken Arm regelst?
Nein, im Gegenteil: Wir sind eingeladen, den göttlichen Plan zu erkennen und gemeinsam umzusetzen, denn wir sind Gottes Hände!
Es gibt viel zu tun in Gottes Plan: Packen wir’s an!
AMEN!
Sebastian Schlöglmann