Zurück aus dem Urlaub bin ich natürlich schon neugierig: Was hat sich wohl auf der Baustelle getan? Ist alles noch dort, wo es war? Gibt es große Veränderungen?
Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Sie ist nicht zu überhören.
Es tut sich was auf der Baustelle!
Als ich am Montag zur Arbeit komme, poltert und staubt es bereits im Eingangsbereich. Die Arbeiter sind im Meditationsraum zugange. Dort, wo einst die kleinen Oberlichten waren, sind jetzt große Öffnungen in der Wand. Vor der Hauswand steht ein Gerüst, an der Ecke sind eine Bauschuttrutsche und ein Radlader im Einsatz, die vermutlich mehr über die Tiefen unseres Hauses wissen als so mancher langjährige Mitarbeiter.
Hingehen und fotografieren ist keine gute Idee. In kurzen Abständen poltert Bauschutt in den Radlader und wirbelt dabei jedes Mal eine ordentliche Staubwolke auf. Also bleibe ich lieber in sicherer Entfernung und mache von dort einige Fotos. Die große Staubwolke allerdings zeigt sich erstaunlich kamerascheu – kaum habe ich das Handy gezückt und geduldig auf ihren nächsten Auftritt gewartet, bleibt sie aus. Offenbar hat sie für diesen Tag genug von der Öffentlichkeit.
Das verlorene Kabel
Und dann die Sensation: Das verlorene Festnetzkabel wurde gefunden!
Jahrelang war es verschollen. Niemand wusste, wo es sich versteckt hatte. Wir wussten ungefähr, wo die Anschlüsse einmal gewesen waren. Aber wo das Kabel genau verlegt war, wusste niemand.
Nun ist das Rätsel gelöst: Es lag in der Nähe des Trinkbrunnens – hinter dem Putz.
Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere noch daran, wie Gerd und Karl vor etwa 2 Jahren auf der Suche nach eben diesem Kabel Teile des Fußbodens im Foyer entfernt haben. Vergeblich.
Aber wir wissen: Wer suchet der findet. Und zwar nicht nur Stille, Zuversicht und Begegnung, sondern manchmal auch die ganz banalen Dinge des Lebens wie zum Beispiel ein gut verputztes Festnetzkabel.
Zwischen Baustelle und Blütenpracht
Während drinnen manche Wand geöffnet, Schutt bewegt und längst verloren Geglaubtes wiederentdeckt wird, geht draußen alles seinen natürlichen Gang.
Inzwischen sind die Brombeeren und Kriacherln reif. Die alpha nova-Gruppe hat im Garten alle Hände voll zu tun. Und überhaupt: Der Garten ist so idyllisch wie eh und je!
Maria und Anita pflegen den Mutter-Erde-Hang mit viel Liebe und Geschick. Auf meinem Weg zur Arbeit nehme ich manchmal den kleinen Umweg über den Hang und genieße den Duft, die Farben und die Schönheit der Schöpfung. Der Färbergarten steht in voller Blüte. Die Äpfel röten sich bereits. Und in Petras Gemüsegarten wächst und gedeiht allerhand. Kürbis, Gurken, Melanzani und Co. fühlen sich ausgesprochen wohl und es gibt reichlich zu ernten.
Und dann sind da noch die Rosen in großer Zahl und Vielfalt. Sie geben diesem Ort zu jeder Jahreszeit etwas Besonderes. Wenn du durch den Garten der Stille gehst, begegnest du ihnen immer wieder: üppig und leuchtend, zart und schlicht, stets mit ihrem eigenen Duft und ihrer stillen Schönheit. Es ist wohl kein Zufall, dass diese Gegend Rosental heißt.
Manches darf einfach wachsen
Vielleicht liegt gerade darin eine ganz eigene Form von Zuversicht: Während drinnen Wände aufgestemmt werden und niemand weiß, welche Überraschung sich dahinter verbirgt, wachsen Gras und Blumen, Bäume und Gemüse unbeirrt weiter – sie folgen ihrem eigenen Rhythmus, und wir Menschen finden Ruhe und Freude in der Natur.
Vielleicht ist es genau diese Verbindung, die das Haus der Stille so besonders macht: dass Veränderung und Beständigkeit hier nebeneinander Platz haben. Dass drinnen etwas abgebrochen und neu gestaltet wird, während draußen im Garten die Jahreszeiten ihren natürlichen Lauf nehmen. Dass manches laut und staubig vor sich geht, während anderes ganz leise wächst.
Und so erinnert uns der Garten daran, dass nicht alles gleichzeitig geschehen muss. Manches braucht Zeit. Manches braucht Pflege. Und manches darf einfach wachsen.
Die Treppe hinauf zur Straße war schon ziemlich zugewachsen. Ein herzliches Dankeschön an Jasmin und Patrick fürs Freischneiden und Säubern des Weges! Jetzt kann man wieder ungehindert hinauf- und hinuntergehen.
So wächst und gedeiht es also rund ums Haus. Drinnen entstehen neue Löcher, draußen wird der Garten gepflegt – und irgendwo hinter dem Putz liegt nun ganz offiziell ein wiederentdecktes Kabel.
Das Haus der Stille bleibt in Bewegung.
Wir bleiben gespannt, was als Nächstes zum Vorschein kommt. Auf einer Baustelle ist Vieles möglich.
pace e bene
für das Team im Haus der Stille
Tanja
- Juli 2026
Die Ros’ ist ohn Warum; sie blühet, weil sie blühet,
Sie acht’ nicht ihrer selbst, fragt nicht, ob man sie siehetAngelus Silesius